Nun – Du sitzt auf irgend so einer Versammlung und noch Stunden davor denkst Du:
»Elternrat, das ist etwas für Menschen mit unendlicher Langeweile im Privatleben.«
Eine These, die ich jederzeit unterschreiben würde. Wer lässt sich freiwillig in ein solches Gremium wählen?
Heute Abend kam es knüppeldick für mich. Kein Christ, eher Atheist, dazu überhäuft mit nebenberuflichen Aspekten, die kaum eine vernünftige Vater-Sohn-Beziehung zulassen. Der „Perfekte Vater“ ist anders – zumindest in meinen Augen. Tja, und genau in solchen Momenten sitzt Du bei einem Elternabend im Kindergarten und wirst von einer guten Freundin als Elternrats-Kandidat vorgeschlagen.
Mit einem Lächeln quittiert, den Pfarrer symbolisch im Nacken, da gibt man sich ganz like Adenauer auch mal selbst die Stimme, wenigstens eine möchtest Du erhaschen. Plötzlich stehst Du aber ganz vorne und bist gewählt. Ohne zu wissen, welche Aufgaben nun auf Dich zukommen. Die erklärt Dir die Kindergarten-Vorsitzende in Windeseile. Ganz wichtig ein Punkt des letztjährigen Elternrates:
»Der Elternrat hat sich im letzten Jahr hervorragend beim Karneval engagiert!«
Todschlagargument – vernichtende Vorgabe. Niemals habe ich Karneval gefeiert, niemals hat mich Stadtpolitik interessiert. Leichter könnte ich einen Linksverteidiger aus einer B-Elf der Regionalliga nennen, aber Politik? Kirche? Eltern? Oh Gott: KARNEVAL!
Die Kehrtwende. Am Freitag lasse ich meinen Job sausen, Borussia darf alleine in Essen kicken – ich schieße Fotos zum Abschluss der „Kartoffelwoche“ im katholischen Kindergarten. Zumindest halte ich Kamera nebst Objektiv als Waffe vor mir, um aufgabengerecht das Fest zu begleiten.
Ein spannendes und hoffentlich lehrreiches Jahr… hitzige Diskussion gab es im Vorfeld, mal schauen, ob ich sie wenigstens jetzt wahrnehme und gegensteuern bzw. lotsen kann.