Es ist soweit – seit Wochen strebt die Familie Kozany diesem Tag entgegen. Kaum auf den Beinen, geht das Gefrage eines Vierjährigen los.
»Papa, wann fahren wir los, um Moos zu holen?«
Eine alte Familientradition. Schon damals, als ich noch jung und unbefangen war, gingen die Kozanys in den Wald und schabten Heiligabend das Grün von der Waldwiese. Anfangs noch mit ungeheurer Euphorie – später widerwillig der Tradition wegen.
Und weil es am Ende doch so schön war, begeben sich Papa Olaf und Sohnemann Joshua nun seit ein paar Jahren am 24. Dezember in den Wald und kratzen die letzten Moosreste heraus. Immer unter der Gefahr, dass ein gewissenhafter Förster sein Veto einlegt.
Auch in diesem Jahr gingen wir dem Jägerinstinkt ungestört nach. Zuerst mit dem Touran den Waldweg entlang, um aufzusetzen und nur mit Müh und Not dem Garaus zu entrinnen. Anschließen auf dem Fuße in den Wald und im Visier das Moosbeet.
Selbstverständlich fanden sich Tannenzapfen im Sammelsurium wieder – was tut der Mensch nicht alles für eine vollkommene Krippe. Nach einer knappen Stunde füllte sich der Korb und das Unternehmen schien beendet.
Kurz noch einen Besuch bei Oma und Opa eingeschoben, anschließend das gesammelte Moos vor das verschlossene Wohnzimmer gestellt. Der Auftrag übertrug sich aufs Christkind – die Krippe stand auf der Tagesordnung.
Wie immer – auf wundersamer Art und Weise geschickt bewerkstelligt. Halt ganz wie es die Familientradition vorschrieb.