… Schweinegrippe – welch ein schlimmes Wort! Tourten wir noch in den 90ern durch Großbritannien und wurden von BSE verfolgt, so ereilte uns nun die böse Schweinegrippe.
Zwei bekannt gewordene Fälle in der Schule – noch Wochen zuvor saßen wir beim Kinderarzt und ließen uns unter anderem in diesem Falle beraten. Die Empfehlung: Keine Impfung – der Krankheitsverlauf wäre entspannter als in den Medien dargestellt, das Risiko der Impfung höher, da unerprobt.
Seit Freitag schnupft unser Kurzer – die Angst geht um. Was tun? Von der Hysterie ebenfalls überfordert nehmen die Praxen keinen Abstrich mehr, raten einem, abzuwarten und herkömmlich zu behandeln. Erst wenn es schlimmer wird, sollte ein erneuter Einzug ins völlig überfüllte Wartezimmer geschehen.
Natürlich – als überbesorgtes Elternpaar mit einem Hypochonder darunter geht so was selbstverständlich nicht ohne Nebenwirkungen ab.
Dabei rufe ich helfend eine Doku in Erinnerung – vor Jahren irgendwo gesehen. Ein amerikanisches Dorf, in der Nähe von Kanada. Die Mordrate um knapp 90% gesunken, dazu die Kriminalitätsrate ebenfalls noch einmal mindestens um die Hälfte minimiert: Der Polizeisprecher sollte eigentlich stolz sein. Im Gegenteil:
»Wir haben alles gesenkt, aber die Medien berichten immer mehr über Einzelfälle, so dass jeder Einwohner unserer Region meint, wir hätten eine fünffach höhere Mordrate als in den Jahren zuvor…«
Schlage ich hier in Deutschland die Zeitungen auf – mir geht es genauso. Die Schweinegrippe findet ihre Opfer, jeden Tag. Nicht gerade, wenn andere aktuelle Katastophenmeldungen kurzzeitig die Seite 1 erobern, aber sobald die Grippe-Schlagzeilen wieder das Loch füllen können, geht es weiter.
Eine Massenhysterie, die vom Journalisten-Kodex völlig außer Acht gelassen wird. Willkommen im freien Deutschland. Oder sonst wo auf der Welt der Medien… und ich muss jetzt nur noch den rationalen Absprung schaffen!