Mittwoch, 13. Januar 2010, 23:26
Ohje – es ist nun fast schon 20 Jahre her, da fuhr ich mit dem Dienstwagen meines Vaters durch den Kreis Borken. Im Autoradio steckten damals noch Kassetten – von CDs war noch gar keine Rede.
Diese auf Brüll gestellt und der Abend war gerettet. Am nächsten Abend gesellte sich dann mein Vater an den Tisch, familiäres Abendessen war angesagt. Kurz schaute er hoch und meinte mit einem verschmitzten Grinsen:
»Sag’ mal, was hast Du da für Musik im Auto gelassen?«
Nervöses Blicken, dann – ein wenig Anerkennung erhaschend – sagte ich nur:
»Manowar – Rock-Musik!«
»Richtig gut, verdammt gut…«
Vater und Junior auf einer musikalischen Wellenlänge – dank der einfachen Rock-Mucke der Band Manowar.
Donnerstag, 8. Oktober 2009, 0:00
… genau vor 10 Jahren fuhr eine ziemlich alte, dafür liebvoll restaurierte Alfa Romeo Giulia vor. Schneeweiß, mein Vater und meine Mutter saßen vorne – die Hupe dröhnte. Es war Hochzeit angesagt und ich stand im ersten Stock eines 6-Parteien-Hauses und haderte damit, ob ich eine Krawatte tragen würde/wollte.
Am Ende geschah es an diesem Tag wie in Trance. Trauung in Aachen, danach ein Brunch und anschließend eine unendlich lange wie geile Partie, die damit endete, dass ich mich zuerst um sechs Uhr morgens mit dem Jülicher Taxi-Fahrer zoffte, um anschließend meine erste Nacht nur zwei Stunden in einem Exklusivhotel zu verbringen. Gleich um acht Uhr klopfte es an unserer „Suite“ und bevor ich noch die Kopfschmerztabletten einnahm, sortierte ich mein Leben neu.
Hatte ich irgendwie meine Frau auf ihre Hälfte ins Bett gebracht, schlief unser Hund in der Mitte. Die Zukunft verhieß nur Gutes!
Auf den Tag genau sind wir nun 10 Jahre verheiratet, feiern diesen Tag allerdings eher bescheiden, schließlich gilt der 8. September 1990 als Stichtag. Genau vor 19 Jahren und einem Monat waren wir uns selbst zu diesem Zeitpunkt sicher, dass der Weg nur gemeinsam durchs Leben begangen wird.
Verdammt – sind wir alt. Aber irgendwie ist es auch gut so. Bei allen erlebten Höhen und Tiefen.
Mittwoch, 7. Oktober 2009, 8:48
Aye – was waren das früher für Zeiten. Einen Fiat Panda 750L, tiefergelegt, Breitreifen, Schroth-Gurte und auf der Heckscheibe stand in dicken, roten Buchstaben der Name meiner Lieblingsband. Verschlafen morgens ins Auto, die Anlage auf Brüll und ab zur Arbeit.
Heute? Nun, die Schroth-Gurte sind nicht eingebaut, das Heck ohne Schriftzug und die Haare deutlich ausgedünnt. Dafür läuft aus den Boxen die gleiche Musik, wie vor 20 Jahren. Guten Morgen, auf zur Arbeit!
Dienstag, 11. August 2009, 23:07
Gestern rief mich ein alter Freund an. Lange Zeit ist es her, da haben wir uns fast täglich getroffen, großen Spaß gehabt – irgendwann gehörte dies der Vergangenheit an. Er selber heiratete früh, ich durfte Trauzeuge sein, zog weg und die ganze Freundschaft ging bis auf Sparflamme runter.
Gestern kontaktierte er mich, mit unwahrscheinlich vielen Neuerungen. Die Kinder sind fast groß, die Ehe nicht mehr existent – es hat sich viel geändert. Ein Treffen ist angesagt. Irgendwann im nächsten Monat. Schließlich sind wir alt und voller Verpflichtungen. Da muss (man) im Voraus planen.
Heute rief ich meinen bis dato einzig verbliebenen Kontakt in meiner alten Heimat an. Dieser saß bei einem Geburtstag… bei einem ehemaligen besten Freund aus meiner Schulzeit. Ich wurde weitergereicht und erkannte nicht einmal die Stimme – zumindest nicht auf Anhieb.
Kurz die Nummern ausgetauscht, dazu noch ein paar wirklich nette Worte, um anschließend mit seinem Bruder gleiches zu tun.
Mindestens 15 Jahre sind ins Land gezogen, wenn nicht sogar mehr… gut zu wissen, das es weitergeht und weiterging. Keine Vorwürfe – von beiden Seiten. Ein perfekter Start in ein echtes Comeback.
Ich freue mich drauf!
Mittwoch, 12. November 2008, 22:07
Okay, kling despektierlich, ist es aber nicht. Denn bei der Nachricht, Craig Moore sei an Hodenkrebs erkrankt, rief es in mir eine alte Story hervor, die ein wenig – bei allem Ernst – zum Schmunzeln einlädt.
Ein guter Kommilitone schied vor einiger Zeit aus, da ihm aufgrund einer Hodenkrebs-Diagnose ein selbiger entfernt wurde. Die OP verlief gut, der junge Mann war wieder zuhause und kurierte seinen Eingriff aus. Dumm, dass ausgerechnet unsere Mathe-Gruppe auf ein paar Unterlagen von ihm angewiesen war.
Also ergriff ein damals guter Freund sein Herz und rief bei ihm an – selbstverständlich standen wir anderen um den Telefonapparat herum und lauschten dem Gespräch.
»Hi, hier Schoko. Sorry, dass ich Dich störe, wollte Dir nicht auf die Eier … ÄÄÄÄÄHHHHH, den Keks gehen, aber…«
Den Rest bekamen wir nicht mehr mit, laut lachend zogen wir uns in die Hinterzimmer zurück.
Tja, so manches Mal wäre es besser, souveräner mit einem Leid umzugehen – manches Mal wünscht sich der Gegenüber allerdings auch, dass alles gleich bleibt.
Im Nachklapp wurden wir bestätigt. Unser Kommilitone hat herzhaft mitgelacht. Also ist Humor doch die beste Medizin.
Samstag, 1. November 2008, 22:20
Am gestrigen Freitag hatte ich ein Déjà-vu…
Lange Jahre ist es her, da bat – nein, er zitierte – mein Religionslehrer meine Mutter zum Elternsprechtag. Als meine Mama und ich vor seinem Büro auf den „gnädigen Herren“ warteten, gesellte sich ein Mädchen in meinem Alter zu uns und blickte destruktiv an die Wand.
Mister Religionslehrer lotste meine Mutter in seine Gemächer und verbat mir, ebenfalls mitzukommen. Wie kläglich.
Also ließ ich alleingelassen vor der Tür meines Kirchenvorbildes meiner Pubertät freien Lauf und baggert die Schönheit neben mir an. Trotz aller Sensibilität erkannte ich deren Intention nicht. Auf ihre Fragen antworte ich gewohnt naiv.
»Mein Religionslehrer nennt Franz von Assisi als sein Vorbild, fährt aber einen Mercedes 500.«
»Er holt meine Mutter hinein, um sie alleine zu sprechen. Wahrscheinlich hat er keinen Mumm, sich mir zu stellen.«
»Seine Frau ist gleichzeitig meine Deutsch-Lehrerin, sie ist genauso schräg. Biedere Ansichten, einfach peinlich. Hinten die dekadente Reichtumssucht.«
»Ja, er ist ein Ekel, falsch und vor allem ein notorischer Ignorant.«
Eine Woche später, wir hatten wieder Religionsunterricht, fing mein „Lieblingslehrer“ seinen Unterricht mit folgenden Worten an:
»Wenn ein Schüler so dumm ist, sich mit meiner Tochter so abwertend über mich zu unterhalten, dann darf er sich nicht wundern, in Zukunft jedes Mal fern von dieser Lehrstunde zu bleiben. Herr Kozany, melden Sie sich bitten wegen „guten Benehmens“ im Sekretariat und weisen Sie die beiden Damen darauf hin, dass dies bis zum Ende des Schuljahres so bleiben wird.«