Endlich ist es soweit – seit Wochen immer wieder von offizieller Seite angekündigt und sogar mit Teaser-Videos unterstrichen… www.borussia.de legt das seit über 3 Jahre alte Gewand ab und zeigt sich neu ummantelt.
Der Inhalt? Nun, irgendwie bleibt er gleich, hier und da aufgepeppt und alles laut eigener Meldung selbstverständlich Web 2.0-fähig. So wurde vor einigen Monaten schon eine Facebook-Community mit knapp 10.000 sogenannten Fans eingeheimst und die Redaktion übte fleißig die ersten Schritte im Social-Media-Bereich. Genauso gehört ein Twitter-Account hinzu und irgendwie scheint der Klub beide Kanäle dazu zu gebrauchen, die gleichen Nachrichten dort unter zu bringen.
Was fällt auf? Der erste Blick geht auf die Startseite und diese lädt beim ersten Mal mächtig. Hintergrundbilder von insgesamt knapp 1 MB schleppen sich genauso wie große J-Scripte und CSS-Dateien. Bis auf die überdimensionierten Hintergrundbilder sicherlich alles im normalen, erträglichen Rahmen und wer den Cache einmal befüllt hat, wird in Zukunft von diesen Datei-Größen keine Kenntnis mehr nehmen.
Zur Kenntnis nimmt der User allerdings die großzügig gestaltete Seite. Knapp 1/3 nimmt der obere Bereich in Anspruch, in dem lediglich das Logo nebst horizontaler Navigation und einer Suche zu sehen sind. Die unteren 2/3 – wir sprechen von der durchschnittlichen Auflösung, lassen das Teaserbild der Hauptmeldung erblicken und rechts gelegen Verlinkungen auf Borussias weitere Webseiten Fanshop, Borussia-TV und das Ticket-Center. Etwas weiter rechts und fast schon nicht mehr auffallend der vertikale Werbebanner des Hauptsponsors der Gladbacher Borussia.
Ganz im Süden der Seite überblendet der seit über drei Jahren gewohnte Werbebanner der Santander-Bank, links und rechts flankiert vom Fanshop und Ticket-Center. Eine Dopplung ist hier also sofort sichtbar (siehe oben, rechts neben dem Hauptartikel).
Scrollen wir runter, so ist zu erkennen, dass das Haupt-Teaser-Bild eines von vier Top-Meldungen ist, welche mittels einer jQuery-Art leicht angewählt wird.
Unter diesem Block gibt es lediglich nur noch weitere Meldungen und überdimensionierte Spiel-Ankündigungen und Kalenderfunktionen sowie den Social-Media-Blöcken, die glücklicherweise in der Voreinstellung eingeklappt sind.
Nett anzuschauen und – je nach Geschmack – interessant gestaltet. Mehrwert als auf der alten Startseite ist nicht zu sehen, zumal die eigentlich in den Fan- und Jounalisten-Kreisen beliebten Zitate des Tages fast schon untergehen – dies ist einfach zu schlicht und zurückhaltend gestaltet und bei Normalauflösung auf dem ersten Blick auch gar nicht zu sehen.
Der zweite Blick geht für mich gar nicht auf den ersten Artikel oder einen anderen Navigationspunkt sondern direkt in den Quelltext. Die nexum AG Köln hat den Relaunch mittels Typo3 umgesetzt und dabei auf die Version 4.2.x gesetzt. Eine veraltete Typo-Version, die vor wenigen Tagen nochmal überraschend einen Sicherheitspatch erhielt, eigentlich aber seit knapp 6 Monaten von der Typo-Community nicht mehr supportet wird. Ferner setzt die nexum AG Köln auf XHTML 1.1, welches sauber umgesetzt wurde, aber der Schritt zu HTML5 wurde nicht gewagt. Das ist eigentlich Schade, interessiert aber wohl nur die Fachleute. Zudem sind die Extensions abgewandelte nexum-Versionen und als Ligastatistik-Tool setzt man auf das eigentlich sehr sparsame LMO.
SEO wird bei Borussia auch nicht wahrgenommen – die Quelltexte zeigen eine saubere Programmierung, allerdings fehlen vernünftige URLs. Die News arbeiten noch mit cHash der tt_news-Extension und sind nicht sprechend, ferner enden die Seiten auf .html. Ich habe diese Datei-Endung auf TF blöderweise vor drei Jahren ebenfalls so umgesetzt, obwohl es gerade von W3C eine fast schon 10 Jahre alte Empfehlung gibt, dies nicht mehr zu machen. Wer weiß, ob es diese Endungen in ein paar Jahren noch gibt und hier sind wir auch schon bei ReDirects, die bisher gänzlich fehlen. Kaum ein Lesezeichen funktioniert noch, alte Artikel stoßen auf eine hässliche Typo-Fehlerseite. Hier ist der Admin noch gefragt…
Auf geht es ins Frontend und die Seite zeigt sich nach erstem Durchklicken sauber strukturiert und gewohnt. Soll heißen – die Ebene passen zueinander, der Weg durch den Content ist stimmig, wenngleich eine Seite ohne Werbung wünschenswerter weise noch etwas übersichtlicher sein könnte. Das ist jedoch Geschmackssache und subjektiv. Insofern nicht zu bewerten.
Was mir fehlt? Nun, eigentlich das neue Innovative. Also eine Login-Bereich für die Presse, ein integrierter Fanshop, integriertes Borussia-TV… die Chance wurde schlichtweg vertan, genauso wie das Forum weiterhin als externe Website wirkt… Borussia.de setzt einzig und alleine auf ein neues Aussehen (Layout) und Social-Media-Verlinkungen (I like button). Das Web 2.0 ist nur halbherzig aufgegriffen, da eine Kommentarfunktion innerhalb der Artikel fehlt, die Community weiterhin über verschiedene Anbieter (Facebook, Twitter, Forum, Borussia-TV, Fanshop) läuft.
Das entspricht natürlich nicht einem gewünschten Web 2.0 und von daher ist das vollmundig angekündigte Ziel verfehlt. Da war von einer mit sieben Mann besetzten Presseabteilung und einer Media-Agentur mehr zu erwarten.
Zudem – eine nicht ganz uninteressante Beobachtung wird es in der Zukunft geben. Borussia Mönchengladbachs Presseabteilung möchte mit den Fans kommunizieren. Quasi interaktiv agieren. Die Kunst, dieses bei dieser relativ großen Fanschar zu schaffen, ist eigentlich die Herausforderung schlechthin. Bisher trat der Klub nie öffentlich in Erscheinung und darf nun täglich, nein stündlich auf User-Meldungen reagieren (wehe er macht es nicht…). Und hier werden unbequeme Dinge mehr als einem lieb sind ans Tageslicht dringen. Bleibt zu hoffen, dass der Verein sich im Vorfeld auch darüber Gedanken gemacht hat, wie er nicht nur an die Presse heran tritt, sondern auch mit den Fans kommuniziert. Hier gilt es, einen Leitfaden zu entwickeln, an dem sich alle halten.
Unterm Strich bleibt für mich – ein feiner Relaunch, der optisch schön anzusehen ist, das Ziel Web 2.0 allerdings nicht erreicht. Tuning ist angesagt und hierbei drücke ich sowohl der Borussia als auch dem Partner nexum AG Köln kräftigst die Daumen.
